FREIHERAUS – „Ich war mir lange nicht sicher, ob ich einen Orgasmus habe“

Vier Frauen sitzen zusammen am Küchentisch, vor ihnen das ein oder andere Glas Wein oder die ein oder andere Zigarette. Wir suchen uns jedes Monat ein anderes Thema, das wir auf dem Tisch ausbreiten und gemeinsam besprechen – und das freiheraus. 
Dieses Mal sprechen wir über die weibliche Sexualität und den Orgasmus. Wie weiß man, dass man einen Orgasmus hat? Warum geht die Lust manchmal flöten? Masturbiert man vor dem Partner oder lieber allein? Die Beantwortung dieser Fragen ist weniger wissenschaftlich, dafür  ehrlich. 
Freiheraus nimmt jeden, der gerne zuhört, mit in ein Gespräch, dass er oder sie eventuell selbst schon so mit engen Freund*innen besprochen hat – oder es gerne würde. Es sind Themen dabei, die sehr persönlich sind. Aber wir teilen sie gern mit euch und freuen uns über Anregungen und Austausch, also schreibt uns gern (redaktion@iu-magazin.at). 
Frau mit vielen Farben im Gesicht

Feminismus, der nicht intersektional ist, ist zu wenig

Der Feminismus steckt in der Krise. Die Kritik, die derzeit am lautesten ist, ist jene, dass er sich hauptsächlich mit Sexismus und Gleichbehandlung von privilegierten Frauen beschäftigt. Er sollte aber tiefer gehen und alle Formen von Diskriminierung innerhalb der Gesellschaft ansprechen und vertreten. Ein Plädoyer für die Solidarität. 

von Stefanie Braunisch und Karina Krenn

Frau mit vielen Farben im Gesicht

Eine Frau wird bei der Arbeit von einem Mann immer wieder angemacht, als „Schoko-Stückchen“ bezeichnet und fühlt sich dabei unwohl. Klares NoGo für Feminist*innen und eine eindeutige Herabwürdigung der Frau, weil sie eine Frau ist. Oder? Wie sieht es jetzt aus: Eine Frau mit dunkler Hautfarbe wird bei der Arbeit von einem Mann immer wieder angemacht, als „Schoko-Stückchen“ bezeichnet und fühlt sich dabei unwohl. Geht es hier nur mehr um das Frau-sein oder geht die Diskriminierung tiefer?

Seit einiger Zeit wird dem Feminismus vorgeworfen, nicht alle Erfahrungen von Diskriminierung zu vertreten und dass es ausschließlich um jene der Frau geht. Es sollte beim Feminismus aber um wesentlich mehr als nur die Sichtbarkeit von Frauen gehen und schon bei der Definition gibt es unzählige Ausprägungen. Eine umfassende Erklärung, was Feminismus ist, ist deshalb kaum möglich. Eine Form zeichnet sich besonders durch den Aspekt der Solidarität aus und kann zur Aufarbeitung aktueller Probleme beitragen: Der intersektionale Feminismus.

Sexismus allein ist oft nicht die einzige Diskriminierung

Spätestens seit der #metoo-Debatte vor zwei Jahren hat der Feminismus als vereinende Kraft unter Frauen, die für gleiche Rechte kämpfen, diese vereinende Kraft verloren. Damals protestierten Frauen weltweit unter dem Hashtag #metoo ihre diskriminierenden Erfahrungen und das in einer Diversität, die früher oder später für viel Kritik sorgte – vor allem untereinander. Denn wer sind die Frauen, die sich am #metoo-Diskurs beteiligen, werden sie alle gleich gehört? Ein Fact, der nicht erst seit #metoo spürbar war: Denn nein, Frauen werden nicht gleich gehört, es gibt Unterschiede in der Wahrnehmung von Frauen.

Ein Beispiel: Eine Frau, die Kopftuch trägt und das auch frei entscheidet, wird schnell als unmündig oder nicht selbstbestimmt wahrgenommen. Ihr wird möglicherweise vorgeworfen, dass sie sich anti-feministisch verhält, weil sie sich von der Religion und von den Männern ihrer Kultur unterdrücken lässt. Ähnlich war es bei #metoo: Der Hashtag entstand Jahre vor dem Weinsteinskandal und sollte die sexuelle Gewalt gegenüber afroamerikanischen Frauen sichtbar machen. Für den Start einer internationalen Bewegung war aber erst ein High-Profile-Skandal in der Elite Hollywoods nötig. Erst danach wurde durch #metoo erneut die Rolle von sexueller Gewalt gegen Frauen und besonders die Auswirkungen auf farbige Frauen angeschaut.

Und das ist die Kritik am Feminismus: Er wird oft von weißen, gesunden, gut verdienenden Frauen geführt. Und sollte in seiner Debatte ein bisschen mehr sein als Frauenquote, Selbstbestimmung und weibliche Führungspositionen. Er sollte intersektional sein. In der Gesellschaft, in der wir leben und uns als Feminist*innen bezeichnen, haben demnach kopftuchtragende Frauen etwas weniger Berechtigung für den Feminismus als Frauen, die kein Kopftuch tragen. Ihr Kopftuch spricht lauter als ihre Stimme darunter.

Frauen werden nicht nur aufgrund des Frau-seins benachteiligt, sie werden es aufgrund von Herkunft, Hautfarbe, Alter, Kultur. Sie werden daran gemessen, ob sie viel oder wenig oder gar nichts verdienen. Sexismus im Allgemeinen und Diskriminierung von Frauen an sich ist ein wichtiges Thema, das angesprochen und gegen das vorgegangen werden muss. Nur: Die Überwindung von sexistischer Diskriminierung von Frauen führt nicht automatisch dazu, dass sich andere Formen der Diskriminierung in Luft auflösen. Deswegen ist eine Befreiung der Frau insofern auch nicht möglich, weil es die eine einheitliche Frau nicht gibt. Und diese Unterschiede muss der Feminismus wieder beachten.

Historische Zusammenarbeit und Überschneidung im Kampf für gleiche Rechte

 Feministische Strömungen haben schon in der Vergangenheit mit anderen Bewegungen, die sich für Gleichberechtigung einsetzen, zusammengearbeitet. In den 1970ern begann die sogenannte zweite Frauenbewegung Seite an Seite mit der Schwulen- und Lesbenbewegung zu kämpfen. Beide Gruppen erlebten zwar teilweise unterschiedliche Formen der Diskriminierung, wollten aber dasselbe: Gleich viel Rechte wie Männer bzw. Heterosexuelle. Daher machte es Sinn, nicht nur die Forderungen, sondern auch die Kräfte dafür zu bündeln. Die Zusammenarbeit und die Solidarität zueinander zeigte Erfolg – für alle Beteiligten. Die Frauenbewegungen hatten Jahre zuvor das Wahlrecht erzielt, in den 70ern ging es stark um die gesetzliche Emanzipation von Ehemännern. Diese Änderungen des Familienrechts waren so besonders für lesbische Frauen ein Fortschritt. Schließlich musste so nicht mehr ein Mann gefunden werden, um etwa arbeiten zu können.

Die Verschmelzung von den unterschiedlichen Kräften im Kampf gegen Diskriminierungen aller Art würde auch heute zum Vorteil aller Beteiligten sein und könnte „dem Feminismus“ neuen Wind verpassen. Außerdem wären damit auch wieder jene angesprochen, denen der derzeitige Feminismus zu sehr auf Identitätspolitik setzt. Die theoretische Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Debatten über Frauenquoten in Führungspositionen haben oft zu wenig mit dem Alltag vieler Frauen zu tun – so wird beispielsweise auch Trumps Wahlerfolg teilweise darauf zurückgeführt. Die anti-feministische Wahl für Trump – besonders unter weißen Frauen – komme daher, dass feministische Ziele nicht mehr im eigenen Leben vorkommen und es daher keinen sonst zu erhoffenden Konflikt zwischen allgemein politischen und spezifisch feministischen Wahlmotiven kam. Auch hier: Es fehlt die Solidarität untereinander.

Gender Studies

Einen weiteren Beweis dafür, dass Feminismus nicht nur die Frau vertritt, liefern die Gender Studies. Denn neben der Forderung nach gleichen Rechten, hat der Feminismus auch zur Ursachenforschung für die verschiedenen gesellschaftlichen Rollen geführt. Allein das Fach Gender-Studies hatte im Laufe der Jahrzehnte einen immensen Einfluss auf das Bild unserer Gesellschaft. Schließlich haben Gender-Studies entgegen des geläufigen Bildes einen wissenschaftlichen Anspruch und setzen sich mit weitaus mehr als Diskussionen über Gendersternchen auseinander.

Durch die Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen und den sozialen Konstrukten hinter Geschlechtern wurde nämlich auch eine Türe aufgestoßen, Sexualität neu zu definieren und eben die damit verbundenen Annahmen von Geschlecht. Das änderte den Blick auf Homosexualität, die Definition von Geschlecht und hat damit einen Beitrag geleistet, neben LG auch zur Anerkennung von Bi-, Trans-, Intersexualität und Queerer Sexualität.

Gemeinsame Ziele

Traditionell entsteht ein Fortschritt zwar von oben nach unten – wie beispielsweise beim Frauenwahlrecht. Die wohlhabenden Suffragetten aus der Oberschicht durften unter der Bedingung von Eigentum in Großbritannien ab 1918 wählen, alle anderen Frauen erst 1928. Doch diese Trickle-Down-Entwicklung war unter Männern genauso, unabhängig vom Geschlecht wurde wenige Jahrzehnte später mit der Bürgerrechtsbewegung in den USA der Anfang vom Ende der Rassentrennung eingeleitet.

Diese Beispiele zeigen, wie ein Schritt zu Gleichberechtigung den nächsten herbeiführen kann. So zeigt aktuell etwa die Bewegung rund um den Guilty Feminist Podcast, wie intersektionaler Feminismus aussehen kann. Die Gründerin Deborah Frances-White sieht im intersektionalen Feminismus die Aufgabe, mehrere Diskriminierungen gleichzeitig aufzuheben. Ihre Panels sind deshalb üblicherweise mit mindestens einer nicht heterosexuellen Person besetzt, mindestens eine Frau, die nicht weiß ist und regelmäßig zählen Aktivistinnen oder Frauen mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten.

Egal, ob es um das oben genannte Beispiel geht, um soziale Gerechtigkeit, um Kinderbetreuungsmöglichkeiten für bessere berufliche Chancen, um Fortpflanzungsrechte, um Entscheidungsfreiheit, Anerkennung von Geschlecht oder die Prävention von Altersarmut – Feminist*innen brauchen wieder mehr Breite und mehr Sichtbarkeit für alle Formen von Diskriminierung. Wo Menschen, insbesondere Frauen, benachteiligt sind, kann intersektionaler Feminismus durch das aktive Engagement gegen alle Formen von Diskriminierung für ein größeres Bewusstsein, für soziale Gerechtigkeit sorgen. Und genau dafür ist der Feminismus ja auch da. 

„She comes first“

Was wissen Sie über den weiblichen Orgasmus? Das fragen wir Ingrid Mack, eine Sexualberaterin und -pädagogin. Denn wer kann schon behaupten, alles über den weiblichen Orgasmus zu wissen? Jahrelang wurde der weibliche Unterleib versteckt und verteufelt und auch heute sagen in einer Umfrage nur 21 Prozent der Frauen, dass sie regelmäßig zum Orgasmus kommen. Wie hängt das zusammen? Und können wir den Orgasmus lernen? Ingrid Mack sagt ja. Und erzählt uns im Interview, wie wir schrittweise zum Orgasmus kommen – alleine und auch mit dem Partner. Ein Interview, bei dem wir selbst noch ein, zwei Dinge dazu lernen:
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Inhaberin Liebenswert / Condomi plusherz ~ Ingrid Mack
Lebenshungrige Erotikfachfrau und Erektionsbekleiderin

Dipl. Sexualberaterin & Pädagogin

Aus-und Weiterbildungen mit dem Schwerpunkt auf Fragen der Sexualität, Gendersensibilität und Gewaltprävention

 

Jahrgang ´65

von Karina Krenn

Einen Orgasmus muss man sich hart erarbeiten

Frau Mack, was wissen Sie über den weiblichen Orgasmus?

Der weibliche Orgasmus ist vielen Frauen nicht bekannt. Es ist erforscht, dass heute etwa die Hälfte der Frauen jeden Alters entweder noch nie einen Orgasmus hatten oder Orgasmusstörungen haben oder einfach nicht kommen können. Es ist ein sehr schwieriges Thema. Das hat viele Gründe, und wenn man die nicht ergründet, dann kann man auch keinen Orgasmus kriegen. Und das schlimmste ist, wenn die Frau sich selbst nicht kennt und nicht weiß, wie sie zum Orgasmus kommt, wie soll sie es dann ihrem Partner mitteilen, wie soll sie es kommunizieren? Und die meisten Frauen täuschen dann halt vor. Das ist dann eine Spirale, aus der man nicht mehr hinaus kommt. Der Partner glaubt, er macht alles richtig, und man bleibt trotzdem unerfüllt. […]

Jetzt sagen Sie, dass man den Orgasmus auch trainieren kann. Wie funktioniert das?

Ich biete eine Orgasmusschule an. Da haben viele schon geglaubt, das ist ein Fake. Nein, das sind zwei Wochenenden, wo maximal sechs Frauen mit mir den Weg der Erkenntnis gehen. Es soll auch jede Frau ihren Beitrag leisten und in der Gruppe sieht man dann, aha, die macht das auch so, der geht es auch so wie mir. Mein Part ist die Leitung. Zum Beispiel die Anatomie: Viele Frauen, jeden Alters übrigens, wissen gar nicht, wie der weibliche Körper aufgebaut ist. Oder sie sind in der Mythenrolle drinnen, anerzogen oder aus den Medien gelernt. Sie wissen nicht, dass die Phantasie, also unser Gehirn, unser größtes Sexualorgan ist. Und manche Frauen glauben auch, sie brauchen sich nur hinlegen und es kommt von allein. Nein. Einen Orgasmus muss man sich hart erarbeiten. […]

 

Das ganze Gespräch hört ihr im Podcast. Auf Soundcloud, iTunes oder Spotify

Jana Studnicka mit Hut

„Konsent ist Alles“

Ja heißt Ja und ein Vielleicht kann auch ein Nein sein. „Konsens“, selbstbestimmte Sexualität, nennt Jana Studnicka das oberste Prinzip, das am Festival „Intimate Revolution“ gelebt wird. Polyamorie und Tantra-Workshops können nur stattfinden, wenn jeder seine Grenzen kennt. Aber den Veranstalter*innen des Festivals geht es um mehr: Eine positive Einstellung zum Sex. Bereits zum zweiten Mal findet das Festival in Wien statt. Wir haben mit Jana Studnicka für den Feminismus-Schwerpunkt über Sexpositivity, Konsent und gesellschaftliche Klischees gesprochen. Herausgekommen ist unter anderem ein Beratungsgespräch für besseren Sex.
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Studnicka (*1990) hat in Salzburg und Graz Molekularbiologie und Medizin studiert. Während des Studiums hat sie mit dem Verein „Achtung, Liebe!“ Aufklärungskurse in Schulen gehalten und unter anderem in Indien medizinische Arbeit geleistet. Nach dem Abschluss des Medizinsstudiums war sie bis 2018 Vorstandsvorsitzende der Schwelle, einem Sex-positive Verein in Wien. Seit vergangenem Jahr kümmert sie sich vermehrt um Sex-positive Veranstaltungen und gründete unter Anderem das Intimate Revolution Festival, dass im Mai erstmals stattfindet.

von Stefanie Braunisch

Jana Studnicka mit Hut
Fotocredits: Jana Studnicka

Das Intimate Revolution Festival ist ein Sexpositive-Festival. Was genau kann man sich darunter vorstellen?

Bei uns geht es um Initimität, Beziehung und selbstbestimmte Sexualität. Viele Räume für Sexualität werden von älteren Menschen gegründet und ich finde, die weibliche Perspektive fehlt noch ein bisschen. Wir fangen das Festival mit einem Symposium an, danach gibt es unterschiedliche Workshops und Parties. Bei den Workshops ist es super, dass wir mit Experten zusammenarbeiten können, die sich seit Jahren mit Tantra oder Polyamorie beschäftigen. Es gibt natürlich auch Räume für Sex, aber das steht nicht im Vordergrund. Im Vordergrund geht es aber darum, Zwischenmenschlichkeit zu beleuchten. Deshalb muss auch jeder vor der Teilnahme beantworten, was er unter Konsent versteht.

Was wäre beispielsweise deine Definition?

Konsent bedeutet für mich, dass ein Ja ein Ja ist, das ein Nein ein Nein und das ein Vielleicht im Zweifelsfall auch ein Nein ist. Das ich mein Gegenüber wirklich wahrnehme und auf deren Grenzen und meine eigenen achte und nicht versuche, die zu überschreiten. Sondern wirklich zu mir selber stehe.

Ein Vielleicht sollte also häufiger als Nein verstanden werden. Wie kann man das auch gleich besser so ausdrücken?

Für mich ist Nein ein Ausdruck, die Grenzen zu setzen und zu sich selber zu stehen. Es ist immer ein Akt der Selbstliebe und gleichzeitig etwas sehr Mutiges. Weil nur ein Mensch, der Nein sagen kann, auch wirklich ja sagen kann.

Hast du das Gefühl, dass dieser Ansatz so auch in der Gesellschaft verbreitet ist?

Wenn ich mit Freunden und innerhalb meiner Sex-positiven Community diskutiere, sind alle auf Konsent ausgerichtet. Andererseits bin ich bei einem Tinder-Date wieder genau in der Situation, dass ich mit Unverständnis konfrontiert bin, wenn ich etwas nicht möchte. Ich merke dann immer wieder, dass es noch nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.

"Konsent bedeutet für mich, dass ein Ja ein Ja ist, das ein Nein ein Nein und das ein Vielleicht im Zweifelsfall auch ein Nein ist."
Jana Studnicka

Selbstermächtigung durch Grenzen setzen

Wirkt sich Konsent deiner Meinung nach auf die Qualität des Sexuallebens aus?

Konsent ist für mich das Mittel, um zu Selbstermächtigung zu finden. Außerdem macht es Sexualität besser, zu sich selber zu stehen und auch klar zu verstehen zu geben, was man möchte oder nicht. Wobei es auch wichtig ist, diese Grenze auch nicht für eine andere Person zu überschreiten.

Wenn wir schon bei Selbstbestimmung sind: Bei sexueller Belästigung kann man die Grenzen nicht selbst setzen. Beispielsweise, wenn einem jemand auf der Straße nachpfeift. Wie wehrt man sich in so einem Fall am besten?

Ich glaube, am einfachsten ist Zurückschreien. Ganz vielen Bullies müssen Grenzen gesetzt werden. Wenn sie versuchen, mich in eine Situation zu bringen, in der ich mich nicht wohlfühle, kann ich das auch. Und zurückschreien würde schon helfen. Die andere Seite ist, sich eben klar zu werden, woher das kommt und in welche Richtung ich dann Zeichen setzen.

Konsent ist also die Basis von selbstbestimmten Sex. Das klingt einfach – aber wie sieht es in der Praxis aus? Kommen wir also zu den Fragen, die in keinem Gespräch über Sex fehlen dürfen.

Wenn es jetzt um Sex selbst geht: Wie kommt man zu gutem Sex?

Eine sehr persönliche Frage, aber alleine durch ihre Arbeit wird Studnicka mit unterschiedlichsten Ansichten dazu konfrontiert. Einiges mag zwar aus der persönlichen Erfahrung stammen, doch vieles kommt sicher aus den regelmäßigen Gesprächen mit anderen Sexpositivity-Aktivisten.

Pause. Studnicka denkt kurz nach und beginnt kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Wahrscheinlich eine gute Psychotherapie.

Die Antwort ist so naheliegend und gleichzeitig unerwartet, dass wir darüber lachen müssen.

 Soll das heißen, wir alle sollten eine Psychotherapie machen?

Man kann auch einfach zu Workshops gehen. Mir hat es eine Zeit lang sehr geholfen, zu Stammtischen wie zu Polyamorie zu gehen und sich mit anderen Formen der Liebe und Zwischenmenschlichkeit auseinander zu setzen. Um sich diesen Fragen anzunehmen, und zu schauen, auf welchen Ebenen man ihnen begegnen kann. Ich glaube, dass Psychotherapie sehr helfen kann. Auf jeden Fall ist es wichtig, in diese Selbstreflexion zu kommen, egal ob man meditiert oder Tagebuch schreibt.

"Am einfachsten ist Zurück-schreien. Ganz vielen Bullies müssen Grenzen gesetzt werden."
Jana Studnicka

Guter Sex fängt bei dir selbst an

Alles Dinge, die man für selbst alleine tun kann, um eine positivere Einstellung zum Sex oder einfach auch besseren Sex zu bekommen. Aber: Wie sehr hängt guter Sex vom Partner ab?

Aus meiner Erfahrung heraus kann man de facto mit jedem Menschen guten Sex haben, wenn man mit sich selbst im Reinen ist. Andererseits kommt es auch wirklich auf die persönliche Beziehung an. Für mich gehört auch dazu, ob das Gegenüber wirklich Intimität zulassen kann und präsent ist. Das ist für mich der Unterschied zwischen gutem und schlechten Sex. Wenn das nicht so ist, fühlt man sich vorher und nachher leer.

Also Sex ist eher eine Frage der Einstellung und damit irgendwie auch eine Kopfsache?

Ja. Ich glaube auch, weil Sexualität in unserer Gesellschaft so lange unterdrückt wurde. Wir hatten diese sexuelle Revolution und wir haben den Sex befreit und jetzt hatten wir diese oberflächliche Befreiung. Aber diese Scham- und Schuldgefühle stecken noch so in uns drinnen. Auch weil Pornographie und der Leistungsdruck im Prinzip nur oberflächliche Performance sind.

Ist dieses Scham- und Schuldgefühl wie zwischen Heiliger und Hure etwas klassisch Weibliches?

Ich habe in der Schule mit Jugendlichen gearbeitet und da ist dieser Druck genauso. Wenn einer ein Foto von Brüsten haben will, kann sie ja sagen und eine Schlampe sein. Wenn sie nein sagt, ist sie prüde. Das Ziel wäre es, sich einfach wohl zu fühlen und nicht als Erwartung zu dienen. Deshalb ist es so wichtig, sich von Erwartungen loszusagen und zu sich selber zu stehen.

"Die Gesellschaft muss noch viel lernen"

Was kann man machen, um diese Einstellung zu verbreiten?

Ich glaube, wir könnten da als Gesellschaft auf jeden Fall dazu beitragen, dass Menschen wissen was sie wollen und wie sie das kommunizieren können. So wie wir jetzt als Gesellschaft Menschen haben, die ganz sicher wissen, welches Essen sie wollen oder wo sie wohnen wollen. Wobei wir bei Sexualität und Intimität als Gesellschaft noch mehr lernen können. Auch weil Konsent und sexuelle Selbstbestimmung noch wahnsinnig jung sind. Vergewaltigung innerhalb der Ehe war 1997 noch vollkommen in Ordnung und die Pille gibt es auch erst seit fünfzig Jahren. In Afghanistan dagegen ist es noch heute festgelegt, dass die Frau mindestens alle vier Tage mit dem Mann schläft.

Studnicka hat Konsent, Sexualität und Intimität als Themen souverän durchbesprochen. Was sich wie aufgelegte Fragen anfühlt, ist durch die Antwort gar keine blöde Frage mehr. Geduld gehört eindeutig zu ihren Stärken. Die Ungleichheit bewegt sie aber merkbar. Also weiter mit den besseren Aspekten der Entwicklung.

Das Beispiel mit Vergewaltigung in der Ehe vergessen Menschen oft. Was hat sich denn aktuell verändert, wenn man #metoo berücksichtigt?

Ich glaube, Sexualität und sexuelle Gewalt sind noch immer wahnsinnig scham- und schuldbehaftete Themen und dass wir beginnen erst das auszuarbeiten. Nach wie vor sind 91% der Vergewaltigungsopfer weiblich und 99% der Täter männlich. Es ist wahrscheinlich für Frauen und auch für Männer ein Prozess, hinzuschauen und das nicht nur unter den Teppich zu kehren. Gleichzeitig müssen wir verstehen, warum es dazu gekommen ist. Warum wir als Spezies überhaupt das Verlangen danach haben, uns gegenseitig diese Art von Gewalt anzutun.

"Nach wie vor sind 91% der Vergewal-tigungsopfer weiblich und 99% der Täter männlich."
Jana Studnicka

Mehr Machtgefühl als Lust

Wie sehr hängen rohe Sexualität und der Mangel an Nähe da zusammen?

Wenn Menschen das Gefühl haben, die Nähe nicht unter Kontrolle zu haben, führt das bei Männern häufig zum Gefühl, das Versprochene nicht zu bekommen. Es zeigen auch psychologische Studien, dass es bei sexuellen Übergriffen mehr um Macht als Lust geht, als das könnte zusammenhängen.

Wenn man jetzt am Diskurs arbeiten möchte: Kann ein offener Umgang mit eigenen Erfahrungen wie Vergewaltigungen und Abtreibungen oder auch mit positiven Erfahrungen wie Dreiern dabei helfen, mit Vorurteilen aufzuräumen?

Ja, auf jeden Fall. Es ist ganz wichtig, dieses Stigma eben aufzulösen und einfach anzuerkennen, dass Sexualität im Vergleich zu anderen Tieren für uns als Menschen wahnsinnig wichtig ist. Im Moment sind wir aber ein bisschen in einer Gesellschaft, die Oversexed and underfucked ist. Das ist in den Medien und der Werbung sehr allgegenwärtig. Dieser Diskurs findet auf einer sehr oberflächlichen Ebene statt, von der wir noch in die Tiefe gehen müssen, um in Zukunft die Selbstbestimmtheit der einzelnen Menschen leichter an zu erkennen.

 

Die Einstellung zu Sex ist also das Entscheidende für Studnicka. Intimität und Körperbewusstsein profitieren davon, wenn man seine eigenen Bedürfnisse kennt – und kommunizieren kann. Vielleicht sollte der Zugang ja eher auf Selbstreflexion gelegt werden. Denn nur wer sich selbst kennt, kann eigene Wünsche umsetzen und Grenzen setzen. Damit das leichter geht braucht es aber eben mehr Offenheit für das Thema. So gesehen bleibt wohl nur eines zu tun, um das zu beeinflussen: Let’s talk about Sex. 

„Was mich nervt, ist die Untätigkeit der Regierung in der Familienpolitik“

Dr. Christian Fiala leitet die Gynmed in Wien und in Salzburg. Hier können Frauen einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen, wenn sie das möchten. Er ist genervt von der österreichischen Familienpolitik, die in seinen Augen alles andere als familienfreundlich ist. „Frauen sollen nicht abbrechen, werden aber mit einem Kind total alleine gelassen von der Politik,“ kritisiert er. 

Dass immer wieder debattiert wird, ob Frauen einen Schwangerschaftsabbruch machen dürfen oder nicht, hält er für eine Debatte aus längst vergangenen Zeiten, als Kinder noch „als Kriegmaterial“ gesehen wurden. Längst veraltete Sichtweisen, die sich aber mit der Ideologie von einem bestimmten Frauen- und Familienbild in der Gesellschaft nur schwer lösen lassen.   

Vor allem stört ihn ein Argument: Dass Frauen den Abbruch als Verhütungsmaßnahme sehen bzw. nicht überlegen, bevor sie den Abbruch machen. „Die meisten Frauen, die zum Abbruch kommen, haben bereits eines oder mehrere Kinder,“ sagt er. Daher sei es seiner Meinung nach auch die alleinige Entscheidung einer Frau, ob sie das Kind bekommen möchte oder nicht. 

Welche Maßnahmen es braucht, um die Anzahl der Abbrüche zu reduzieren, erzählt er in diesem Gespräch. 

Dieser Podcast ist Teil des iu-Schwerpunktthemas Feminismus.

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Eine Schwangerschaft kann in Österreich bis zum dritten Monat von einem Arzt abgebrochen werden. Es wird in der sogenannten Fristenlösung geregelt, die besagt, dass ein Abbruch bis zur 12. Woche straffrei ist, sofern er von einem/r Arzt*in durchgeführt wird. In Österreich kann prinzipiell jeder Arzt und jede Ärztin einen Schwangerschaftsabbruch machen – eine spezielle Lizenz ist dafür nicht nötig. 

In Österreich werden Schätzungen zufolge etwa 30.000 – 35.000 Schwangerschaftsabbrüche pro Jahr gemacht. Eine genaue Zahl gibt es nicht, da die Krankenkassen den Abbruch nicht bezahlen und er daher auch nicht an die Krankenkassen gemeldet werden muss. Österreich ist mit dieser Anzahl europaweit eines der Länder mit den meisten Schwangerschaftsabbrüchen und gleichzeitig auch eines jener Länder mit geringer Geburtenrate. 

von Karina Krenn

Musik in den Podcasts: Keshco (FMA)

„Die Ärztin hat etwas von Schatten am Herz gesagt, dann war da nur mehr Rauschen“

Alexandra war in der 22. Schwangerschaftswoche als sie erfuhr, dass ihr Kind Tumore am Herzen hat. Wenn Kinder im Mutterleib schwere Gendefekte oder Fehlbildungen entwickeln, können Eltern entscheiden, das Kind auch nach der zulässigen Frist von 12 Wochen abzutreiben. 

Alexandra sprach mit Ärzt*innen, Psycholog*innen und durchforstete das Internet nach Foren und Gleichgesinnten, die ein ähnliches Schicksal teilten. Die Ärzt*innen rieten ihr weder zur Abtreibung noch zum Austragen des Kindes, teilten ihr allerdings mit, dass ihr Kind zusätzlich zu den Tumoren einen Gendefekt hatte, der eine stetige Tumorbildung nach der Geburt vorantreiben würde. „Mein Kind könnte nie alleine essen, nie alleine sitzen, könnte nicht lachen, müsste Windeln tragen. Was wäre das für ein Leben? Wir haben die Entscheidung nicht wegen uns getroffen, sondern vor allem wegen dem Kind,“ sagt Alexandra. Sie und ihr Mann entschieden sich für den Spätabbruch. 

Dieser Podcast ist Teil des iu-Schwerpunktthemas Feminismus.

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Etwa 380 Spätabbrüche werden im Jahr in Österreich durchgeführt. Meist werden schwere Gendefekte beim Organscreening – einer Standard-Untersuchung während der Schwangerschaft – festgestellt, das zwischen der 22. und 24. Schwangerschaftswoche gemacht wird. Davor sind sogenannte Pränatal-Gentests möglich, die allerdings ab 600 Euro kosten und nicht von der Krankenkasse übernommen werden. Alexandra hat einen so einen Pränatal-Gentest gemacht, allerdings haben sich  in ihrem Fall die Genbildungen erst zu einem späteren Zeitpunkt der Schwangerschaft entwickelt.

Eine Schwangerschaft kann in Österreich bis zum dritten Monat von einem Arzt abgebrochen werden. Nach der 12. Woche ist ein Schwangerschaftsabbruch nur dann möglich, wenn beim Kind schwere Gendefekte oder Erkrankungen festgestellt werden. Eine Trisomie 21 zählt nicht dazu – entgegen vieler Behauptungen. Wenn Eltern sich nach der Diagnose für den Abbruch entscheiden, muss anschließend eine Ethikkommission dieser Entscheidung zustimmen. Ist das der Fall, kann der Abbruch in Österreich durchgeführt werden. 

von Nadja Riahi

Musik in den Podcasts: Keshco (FMA)

Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch

„Es ist Utopie zu denken, der Schwangerschaftsabbruch passiert nicht, wenn er verboten ist“

Hinter einem Schaufenster liegen graue Stricknadeln. Sie sind dünn, lang und unauffällig. Das „perfekte“ Werkzeug, um illegale Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen. Zumindest wenn man mehr als 40 Jahre zurückgeht.

Wir treffen Bianca Burger im Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch (MVUS), das 2003 von DDr. Christian Fiala gegründet wurde. Sie führt uns durch die Räume, denn wir wollen heute alles über die Geschichte des Schwangerschaftsabbruchs erfahren.

Die Führung startet bei einer Liste über Kindertodesfälle in Jennersdorf. Sie ist deshalb besonders, weil in diesem Jahr in diesem Bezirk mehr Kinder gestorben als auf die Welt gekommen sind. Anhand der Liste erklärt uns Burger den Beruf der Engelsmacher*innen, denn es war nicht unüblich, bei einer ungewollten Schwangerschaft das Kind heimlich auszutragen und bei Engelsmacher*innen abzugeben, wo es wenige Wochen darauf sterben sollte.

Wer denkt, hier stößt man auf Bilder mit blutenden Frauen oder Kindern oder andere Horrorbilder, der täuscht sich. Hier findet Aufklärung und Information statt.

Dieser Podcast ist Teil des iu-Schwerpunktthemas Feminismus.

von Karina Krenn

Musik in den Podcasts: Keshco (FMA)

Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch
Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch 2

„Ich wurde für türkische Kebapverläufer gecastet“

Faris Endris Rahoma ist Schauspieler, Drehbuchautor, gefühlter Wiener und geborener Steirer. Für die Komödie „Die Migrantigen“ hat er mit seinen Kollegen eine Romy in der Kategorie Bestes Buch Kinofilm bekommen. Der Film thmeatisiert das Thema Rassismus – migrantische Gruppen werden filmisch überspitzt überzeichnet und sehr klischeehaft dargestellt.

Im Interview erklärt Rahoma, warum er genau diese Herangehensweise als wichtig empfindet, wo die Grenze von Humor und Witz verläuft und wie ausgeprägt der Rassismus es in der österreichischen Film- und Fernsehbranche ist.

von Lisa Lugerbauer, gesprochen von Paula Kolb

Akkordeon Inhalt

Filme sind Mittel der Kommunikation und Kommunikation ist immer verbunden mit Macht. Dessen ungeachtet sind wir daran gewöhnt, uns zurückzulehnen und Filme unkritisch zu betrachten – uns zu unterhalten. Das macht zu einem guten Teil die Macht von Filmen aus. Denn über Gefühle, Sehnsüchte und Ängste, die ein Film in uns auslöst, nehmen wir Informationen auf, häufen wir „Wissen“ an. Die Figuren auf Bildschirm und Leinwand, die wir bewundern oder verachten, mit denen wir lachen und weinen, denen wir uns nahe fühlen oder die uns fremd sind, haben Einfluss auf unser Leben. Sie helfen uns dabei zu bestimmen, wer wir sind, wie wir sein wollen und wie wir die Welt um uns herum betrachten.

Rassismus ist ein systemisches Problem, das so lange reproduziert wird und in Filmen zum Ausdruck kommt, solange angenommen wird, man selbst habe damit nichts zu tun. Die Intention eines Films kann dabei eine völlig andere sein als die Art und Weise, wie der Film tatsächlich aufgenommen und verstanden wird. Filme werden entsprechend gesellschaftlichen Diskursen, Ereignissen und Symbolen interpretiert und nicht zwingend danach, was der oder die Filmemacher*in damit bezweckt hat.

Rassismus in den eigenen Filmprojekten zu vermeiden erfordert Reflexion und strukturelle Veränderungen: etwa sich selbst nicht auszunehmen von den Strukturen, die Rassismus ermöglichen. Oder die Bereitschaft, eigene Privilegien, Entscheidungsmacht und Ressourcen zugunsten der Handlungsmöglichkeiten marginalisierter Menschen abzugeben. Oder aber die Umsetzung gleichberechtigter Formen der Zusammenarbeit anstelle einer Vereinnahmung von Migrant*innen für eigene Profite. Und schließlich insbesondere eine produktive Auseinandersetzung mit entsprechender Kritik an den eigenen Projekten“.

Musik in den Podcasts: Ketsa – Inspired (FMA)

„Jeder, der etwas veröffentlicht, übernimmt Verantwortung“

Andreas Steinkogler ist Filmemacher. Über einen seiner Filme sind wir bei der Recherche gestolpert, ein Film names Integrate. Er wurde bei „Klappe auf“ gezeigt, einer Vereinigung von österreichischen Filmschaffenden, die mit ihren Kurzfilmen auf die derzeitige politische Situation in Österreich aufmerksam machen möchten. 

Politik und Kunst, wie viel Überschneidung ist da möglich und warum engagieren sich Künstler politisch, diese Frage wollen wir beantwortet haben. Andreas Steinkogler kommt dafür zum Kaffee vorbei. Er spricht offen und ehrlich darüber, dass er sich selbst nicht als politischen Aktivisten sieht und auch mit dem Film kein Statement abgeben wollte. Die Menschen sollen den Film sehen und sich selbst ein Bild machen. Das und nicht mehr ist seine Intention. Warum er trotzdem „Integrate“ gemacht hat und sich darin mit dem Thema Kopftuch auseinandersetzt, erzählt er im Gespräch. 

von Karina Krenn, gesprochen von Paula Kolb

Akkordeon Inhalt

Der Film „Roma“ handelt von einer Frau, die „gleich mehrfach ausgeschlossen ist: Weil sie arm ist, weil sie Ureinwohnerin ist und weiblich.“ Das sagte Alfonso Cuaron, der Regisseur über seinen Film, der heuer in Venedig den goldenen Löwen erhalten hat und auch für den Oscar nominiert ist.

„Alles ist Kunst und alles ist Politik,“ sagte Ai Weiwei, Chinas bekanntester Künstler der Gegenwartskunst. 2016 gestaltete er eine Installation aus 1005 Schwimmwesten von der Insel Lesbos im Barocken Bassin des Oberen Belvedere. Weiwei wollte damit auf das Schicksal vieler Flüchtlinge im Mittelmeer aufmerksam machen.

„Die Zivilgesellschaft hat Deutschlands obersten Hetzer ein Mahnmal gesetzt.“ (P. Ruch, ZPS). Das Zentrum für politische Schönheit errichtete 2017 ein, an das Holocaust-Denkmal in Berlin erinnernde, Mahnmal gegen die schleichende Normalisierung des Faschismus in Deutschland – auf dem Nachbargrundstück des AfD-Politikers Bernd Höcke in Thüringen.

Christoph Maria Schlingensief gründete 1998 die Partei „Chance 200“, die als Verschmelzung von Kunst und Politik gesehen werden kann. 2000 installierte Schlingensief im Rahmen der Wiener Festwochen einen Container, der an das Fernsehformat „Big Brother“ erinnern sollte und in dem sich Asylsuchende befanden. Passant*innen konnten Insaß*innen „hinaus-voten“ und damit entscheiden, wer das Land verlassen muss. Bei der Bundestagswahl 1998 in Deutschland erreichte die Partei 0,058% der Stimmen.

Günter Brus forderte im Jahr 1968 mit seiner Aktion „Der Staatsbürger Brus betrachtet seinen Körper“ nicht nur gesellschaftliche Normen heraus, sondern kritisierte auch den Staat Österreich. Er urinierte, masturbierte, schmierte sich mit Fäkalien ein und verletzte sich öffentlich. Der Künstler, der 2019 80 Jahre alt wird, bekam deswegen immer wieder Probleme mit den österreichischen Behörden. Um der Haftstrafe zu entgehen, floh er laut eigenen Aussagen 1968 von Wien nach Berlin.

Musik in den Podcasts: Ketsa – Inspired (FMA)

Kurz gefragt mit Sigi Maurer

Kurz gefragt mit Sigi Maurer

Am 18. Februar war Sigi Maurer bei Kurz gefragt zu Gast. Sie war Nationalsratsabgeordnete der Grünen. Letztes Jahr bekam sie vom Account eines Bierlokalbesitzers sexistische und beleidigende Nachrichten. Maurer machte die Nachrichten öffentlich und wurde dafür vor Gericht zu einer Geldstrafe verurteilt. Bei Kurz gefragt spricht sie über Hass im Netz, vor allem gegen Frauen.  

Von Maximilian Brustbauer.

Musik von: Keshco – Below the waves (FMA).

Kurz gefragt mit Sigi Maurer
Foto: Demir Black