„Kann ich nicht einfach sagen, ich bin Österreicherin und du sagst, ok, passt?“

Einige Wochen bevor dieser Podcast online ging, regelte die Regierung die Mindestsicherung neu. Der Vizekanzler der Republik Österreich, Heinz-Christian Strache, forderte in diesem Zusammenhang die rot-grüne Wiener Stadtregierung zum Rücktritt auf, weil sie sich nicht an die „Mindestsicherung Neu“ halten möchte. Die neue Regelung sieht mehr Geld für Alleinerziehende und Menschen mit Behinderung vor, weniger Geld sollen Menschen mit schlechten Deutschkenntnissen sowie kinderreiche Familien bekommen. 

Wir treffen Gazal Sadeghi. Sie schrieb im Dezember 2018 einen Text auf kontrast.at über die damals geplante „Mindestsicherung Neu“, vor allem aus dem Grund, weil sie weiß, wie es ist, in Armut aufzuwachsen. 

von Karina Krenn, gesprochen von Paula Kolb

Akkordeon Inhalt

Armutsgefährdung steigt in Österreich

In Österreich gilt ein Mensch als armutsgefährdet, wenn er weniger als 1.238 Euro im Monat zur Verfügung hat (gilt für 1-Personen-Haushalt). Die Zahl der potentiell Gefährdeten steigt seit Jahrzehnten leicht und stetig an. 

Im Jahr 2017 waren etwas mehr als 18 Prozent der Österreicher*innen armuts- und ausgrenzungsgefährdet. Das heißt: Ihr Einkommen liegt weit unter der Armutsgefährdungsschwelle. 

14,4 Prozent der österreichischen Bevölkerung sind armutsgefährdet. Ihr Einkommen liegt im Gegensatz zu den 18 Prozent davor nur knapp unter der Armutsschwelle von 1.238 Euro. 

Am stärksten betroffen sind Alleinerzieher*innen, Langzeitarbeitslose, Familien mit drei oder mehr Kindern sowie Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft. 

Migrant*innen haben durchschnittlich weniger Wohnraum und weniger Eigentum

Migrant*innen in Österreich leben durchschnittlich auf 31 m2, die durchschnittliche Wohnfläche in Österreich beträgt 43 m2. Einen Unterschied gibt es jedoch auch hier: Während EU-Bürger*innen auf durchschnittlich 48 m2 leben, haben beispielsweise türkische Staatsbürger*innen etwa 20 m2 Wohnraum zur Verfügung. Nur 16 Prozent der Migrant*innen besitzen eine Eigentumswohnung, jedoch 48 Prozent der Österreicher*innen. Überproportional viele Migrant*innen arbeiten zudem in Jobs, für die sie überqualifiziert sind. 

Zahlen verbessern sich über die Jahre nicht

Die Schieflage hat sich in den letzten Jahren kaum verbessert. Bereits 2010 galt Migration als einer der größten Risikofaktoren für Armut. Jede*r Vierte mit Migrationshintergrund lebt in Armut, jedoch nicht aufgrund ihres Migrationshintergrunds, sondern weil Migrant*innen meist in den unteren Segmenten des Arbeitsmarkts arbeiten. 

Musik in den Podcasts: Ketsa – Inspired (FMA)

Tags: No tags

Add a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

code