„Jeder, der etwas veröffentlicht, übernimmt Verantwortung“

Andreas Steinkogler ist Filmemacher. Über einen seiner Filme sind wir bei der Recherche gestolpert, ein Film names Integrate. Er wurde bei „Klappe auf“ gezeigt, einer Vereinigung von österreichischen Filmschaffenden, die mit ihren Kurzfilmen auf die derzeitige politische Situation in Österreich aufmerksam machen möchten. 

Politik und Kunst, wie viel Überschneidung ist da möglich und warum engagieren sich Künstler politisch, diese Frage wollen wir beantwortet haben. Andreas Steinkogler kommt dafür zum Kaffee vorbei. Er spricht offen und ehrlich darüber, dass er sich selbst nicht als politischen Aktivisten sieht und auch mit dem Film kein Statement abgeben wollte. Die Menschen sollen den Film sehen und sich selbst ein Bild machen. Das und nicht mehr ist seine Intention. Warum er trotzdem „Integrate“ gemacht hat und sich darin mit dem Thema Kopftuch auseinandersetzt, erzählt er im Gespräch. 

von Karina Krenn, gesprochen von Paula Kolb

Akkordeon Inhalt

Der Film „Roma“ handelt von einer Frau, die „gleich mehrfach ausgeschlossen ist: Weil sie arm ist, weil sie Ureinwohnerin ist und weiblich.“ Das sagte Alfonso Cuaron, der Regisseur über seinen Film, der heuer in Venedig den goldenen Löwen erhalten hat und auch für den Oscar nominiert ist.

„Alles ist Kunst und alles ist Politik,“ sagte Ai Weiwei, Chinas bekanntester Künstler der Gegenwartskunst. 2016 gestaltete er eine Installation aus 1005 Schwimmwesten von der Insel Lesbos im Barocken Bassin des Oberen Belvedere. Weiwei wollte damit auf das Schicksal vieler Flüchtlinge im Mittelmeer aufmerksam machen.

„Die Zivilgesellschaft hat Deutschlands obersten Hetzer ein Mahnmal gesetzt.“ (P. Ruch, ZPS). Das Zentrum für politische Schönheit errichtete 2017 ein, an das Holocaust-Denkmal in Berlin erinnernde, Mahnmal gegen die schleichende Normalisierung des Faschismus in Deutschland – auf dem Nachbargrundstück des AfD-Politikers Bernd Höcke in Thüringen.

Christoph Maria Schlingensief gründete 1998 die Partei „Chance 200“, die als Verschmelzung von Kunst und Politik gesehen werden kann. 2000 installierte Schlingensief im Rahmen der Wiener Festwochen einen Container, der an das Fernsehformat „Big Brother“ erinnern sollte und in dem sich Asylsuchende befanden. Passant*innen konnten Insaß*innen „hinaus-voten“ und damit entscheiden, wer das Land verlassen muss. Bei der Bundestagswahl 1998 in Deutschland erreichte die Partei 0,058% der Stimmen.

Günter Brus forderte im Jahr 1968 mit seiner Aktion „Der Staatsbürger Brus betrachtet seinen Körper“ nicht nur gesellschaftliche Normen heraus, sondern kritisierte auch den Staat Österreich. Er urinierte, masturbierte, schmierte sich mit Fäkalien ein und verletzte sich öffentlich. Der Künstler, der 2019 80 Jahre alt wird, bekam deswegen immer wieder Probleme mit den österreichischen Behörden. Um der Haftstrafe zu entgehen, floh er laut eigenen Aussagen 1968 von Wien nach Berlin.

Musik in den Podcasts: Ketsa – Inspired (FMA)

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