„Ich glaube, wir sind alle einfach nur Zahlen auf einem Papier“

Wir sprechen mit einer jungen türkischen Staatsbürgerin, die in Österreich lebt und hier studiert hat. Jedes Jahr beantragt sie erneut einen Aufenthaltstitel. Den fünfjährigen durchgehenden Aufenthalt, um einen „Dauerhaften Aufenthalt EU“ zu erhalten zu können, hat sie laut Behörden noch nicht erreicht. Studentenjahre zählen vor dem Amt nur die Hälfte. Jetzt ist Hanna* (*Name von der Redaktion geändert) seit fast neun Jahren in Österreich, jedes Jahr aufs Neue beginnt die Wartezeit bei der MA35, der ihr sagt, ob sie noch bleiben kann oder nicht. 

Sie erzählt davon, wie es sich anfühlt, ständig in einer prekären Aufenthaltssituation zu leben und ihrer Angst, ihr Zuhause – Österreich – verlassen zu müssen.

von Lisa Lugerbauer, gesprochen von Paula Kolb

Akkordeon Inhalt

Zu Hause oder nicht?

91 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund fühlen sich in Österreich zu Hause. Auch hier verbesserte sich die Zahl um 15 Prozent zum Vergleichswert aus dem Jahr 2010. Wer sich länger als sechs Monate in Österreich aufhalten will, muss einen Aufenthaltstitel beantragen. Dieser Aufenthaltstitel kann vorübergehend, befristet oder unbefristet sein. Es gibt unterschiedliche Voraussetzungen für den jeweiligen Aufenthaltstitel. Denn der Aufenthalt ist mit einem Zweck verbunden. Wer einen Aufenthaltstitel möchte, muss auch zahlen: 160 Euro Pauschalgebühr für befristete Aufenthaltstitel, 210 Euro für den „Daueraufenthalt EU“. Plus Gebühren für ausländische Urkunden und Dokumenten. 

Um einen „Daueraufenthalt EU“ beantragen zu können, müssen sich Personen fünf Jahre durchgehend in Österreich aufhalten. 

Wer einen Aufenthaltstitel in Österreich beantragt, muss einige Unterlagen der zuständigen Behörde vorlegen. Um zu sehen, um welchen Umfang es sich hier handelt, hier die Liste der Dokumente, die für ein Künstlervisum vorgelegt werden müssen.

Eineinhalb Jahre warten

Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Asylentscheid dauerte im Jahr 2017 16 Monate. Gleichzeitig sank die Anzahl der Verfahren von 88.340 Asylanträgen im Jahr 2015 auf 24.735 im Jahr 2017. Die Dauer der Asylverfahren erhöhte sich allerdings im gleichen Zeitraum von 2015 (durchschnittlich 6,3 Monate), auf 9,1 Monate im Jahr 2016, bis schließlich auf durchschnittlich 16 Monate im Jahr 2017. 

Die Zahlen bestätigt das Bundesministerium für Inneres in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen Bundesräte. Tatsächlich werden nur 40 Prozent der Asylanträge innerhalb von sechs Monaten erledigt, so die Anfragebeantwortung des Innenministers Herbert Kickl. 

Eine Veröffentlichung des Fonds Sozialen Wien zufolge warten im November 2017 in Wien jedoch über 80 Prozent der schutzsuchenden Menschen länger als ein Jahr auf einen Asylbescheid. Im November 2018 hat sich die Anzahl sogar auf 88 Prozent erhöht. 

 

Die Diakonie bestätigt auf ihrer Website, dass Asylverfahren zwar sechs Monate dauern sollten, erfahrungsgemäß liegt dieser Zeitrahmen zwischen einigen Wochen und mehreren Jahren. 

Musik in den Podcasts: Ketsa – Inspired (FMA)

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